Natur spüren, Menschen begegnen: Eine Reise in das echte Pakistan
Reisen bedeutet für uns, Orte wirklich zu verstehen - jenseits dessen, was man hört oder liest. Pakistan stand schon lange auf unserer Liste: wegen seiner beeindruckenden Berglandschaften, unserer Leidenschaft fürs Wandern und aus einem ganz besonderen Grund - Edelsteine. Das Land gehört zu den wichtigsten Fundorten einiger der faszinierendsten Edelsteine der Welt.
Gleichzeitig ist die mediale Berichterstattung über Pakistan oft zurückhaltend, wenn nicht sogar abschreckend. Sicherheitsbedenken haben uns lange zögern lassen. Entscheidend war letztlich ein Freund von uns, mütterlicherseits Deutscher, väterlicherseits Pakistaner, der in Pakistan aufgewachsen ist und uns angeboten hat, das Land mit uns zu bereisen. Diese Kombination aus lokalem Wissen und europäischer Perspektive gab uns das nötige Vertrauen, diesen Schritt zu wagen.
Rückblickend war es eine der besten Entscheidungen, die wir getroffen haben.
Noch bevor wir auf einzelne Orte eingehen, war die größte Überraschung Pakistan selbst. Schon beim Verlassen des Flughafens wurde uns klar, dass die Realität vor Ort ganz anders ist als das Bild, das wir im Kopf hatten. Das Land kann auf den ersten Blick chaotisch wirken, aber nie im negativen Sinne. Vielmehr ist es lebendig, energiegeladen und zeigt eine ausgeprägte Gastfreundschaft. Der Unterschied zu unseren Erwartungen war sofort spürbar.
Einen Großteil unserer Zeit verbrachten wir im Norden des Landes, in der Region Gilgit-Baltistan. Besonders das Hunza-Tal hat uns beeindruckt, nicht nur wegen seiner spektakulären Landschaft, sondern auch aufgrund der guten Möglichkeiten zum Wandern. Viele Reisende kennen die berühmte Hängebrücke von Hussaini bei Passu. Weniger bekannt ist jedoch die Passu-Hängebrücke, die nur wenige Kilometer entfernt liegt. Sie ist über eine etwa fünf Kilometer lange Wanderung erreichbar und bietet eine ebenso eindrucksvolle, etwas abenteuerlichere und deutlich ruhigere Überquerung.
Ein Höhepunkt unserer Reise war eine viertägige Trekkingtour im Karakorum, im abgelegenen Nangma-Tal mit Blick auf einige der höchsten Berge Pakistans, darunter auch der K2. Inmitten dieser gewaltigen Bergwelt zu wandern, war eine Erfahrung, die sich nur schwer in Worte fassen lässt. Die Tour war körperlich anspruchsvoll, wir erreichten Höhen von bis zu 4.500 Metern, und gleichzeitig unglaublich entschleunigend, wenn man abends in der Stille der Berge in seinem Zelt zur Ruhe kommt.
Besonders prägend waren jedoch die Begegnungen mit den Menschen. Pakistaner sind offen, neugierig und außergewöhnlich gastfreundlich. Gerade in ländlichen Regionen, in denen ausländische Besucher noch seltener sind, entwickeln sich Gespräche schnell zu Einladungen. Wir wurden in ihre Häuser eingeladen und mit großer Selbstverständlichkeit bewirtet. Das war umso beeindruckender, da der durchschnittliche Lebensstandard niedriger ist als in Malaysia oder Europa. Gastfreundschaft ist hier keine Frage des Wohlstands, sondern eine Haltung.
Viele unserer Erwartungen wurden während der Reise hinterfragt. Geprägt von medialen Berichten hatten wir mit Unsicherheiten in Bezug auf Sicherheit oder Hygiene gerechnet. In Wirklichkeit haben wir ein Land erlebt, das deutlich stabiler und sauberer ist als angenommen. Und auch kulinarisch hat Pakistan überrascht. Die Küche ist vielfältig, intensiv und tief in der Tradition verankert. Gerichte wie Beef Nihari, Chicken Karahi oder Gol Gappa haben uns nachhaltig beeindruckt.
Ein besonderer Moment ergab sich durch unseren beruflichen Hintergrund. Als zertifizierter Gemmologe (FGA, Gem-A London) und durch unsere Arbeit bei Jade & Gems interessieren wir uns intensiv für Edelsteine. In Hunza hatten wir die Gelegenheit, eine Edelsteinhändlerfamilie in dritter Generation kennenzulernen. In ihrem Atelier erhielten wir einen tiefen Einblick in den lokalen Handel, von den bekannten Rubinen aus dem Hunza-Tal bis hin zu Smaragden aus Panjshir sowie weniger bekannten, aber ebenso faszinierenden Edelsteinen wie Aquamarin und Turmalin.
Diese Begegnung hat unserer Reise eine zusätzliche Dimension gegeben. Es ging nicht nur darum, Edelsteine zu sehen, sondern zu verstehen, in welchem Kontext sie entstehen, gehandelt und bewertet werden.
Rückblickend gehört Pakistan für uns heute zu den eindrucksvollsten Reisezielen überhaupt. Nicht, weil es perfekt ist, sondern weil es echt ist, vielschichtig, herzlich und deutlich differenzierter, als wir es erwartet hatten.
Für uns war diese Reise eine Erinnerung daran, dass manche Orte nur dann wirklich verstanden werden können, wenn man sie selbst erlebt.
Text & Fotos: Afiza Abu Bakar
Übersetzung: Andrei M. Popovici




