Mehr als 30 Jahre Weihnachtsbasar – wie alles begann

Der Weihnachtsbasar der deutschsprachigen Community – damals und heute

Um die Entstehung des Weihnachtsbasars zu versehen, muss man zuerst eine Zeitreise machen. Als wir damals vor etwas mehr als 30 Jahren ankamen, war Kuala Lumpur eine kleine Stadt mit einem überschaubaren Zentrum. Die Einkaufsstraßen bestanden aus Shoplots und in den Vororten waren die Einfamilienhäuser umgeben von Hügeln und Bäumen. Der Verkehr war überschaubar die Straßen meist zwei-spurig und man parkte vor der Tür. Der Central Market war noch ein richtiger Wet Market wo man ganze Bananenstauden kaufte, Gemüse und Blumen und die Hühner liefen einem über den Weg und versuchten ihrem Schicksal zu entkommen…

Das Gebiet des heutigen KLCC war noch ein Pferderennplatz, und der einzige internationale Flughafen war Subang Airport, nach damaligen Empfindungen weit draußen vor der Stadt.

Wenn man Freunde in z.B. in Ampang besuchen wollte, düste man dort einfach hin quer durch die Stadt, ohne vorher die aktuelle Verkehrslage zu googeln.

Das tägliche Einkaufen war stressfreier aber auch wesentlich limitierter: Roggenbrot zu finden war aussichtslos, Käse wenn man Glück hatte, Schokolade schmeckte meist billig, der Kuchen viel zu süß und die Sahne nach Plastik, als Kaffee trank man Nescafé, es gab keine Auswahl an Schinken oder Wurst, also alles nicht so toll. Allerdings konnte man beim Lebensmittelgeschäft anschreiben lassen, einmal im Monat kriegten wir dann die Rechnung. Das war so bei den Expatriates. Westliche Kleidung kaufte man hier in Department Stores, aber da sowieso alles irgendwie nicht richtig passte, fuhr man zum Einkaufen nach Singapur. Weil Kuala Lumpur eine Multi Kulti Stadt ist, spielten besondere Feiertag keine wesentliche Rolle im kommerziellen Sinn, jeder feierte den für ihn wichtigen Festtag und die anderen feierten einfach mit oder ignorierten ihn. Die kommerzielle weihnachtliche Festdekoration und die große Auswahl an weihnachtlichen Artikeln war einfach noch nicht vorhanden und von der Geschäftswelt noch nicht entdeckt.

Wie hängen nun diese ganzen Tatsachen zusammen und führten zum ersten Weihnachtsbar?

Wir waren 5 oder 6 junge Ehefrauen und trafen uns locker im Goetheinstitut, weil eine Freundin etwas zu besprechen hatte. Wenig später platze sie mit der verblüffenden, waghalsigen Idee heraus, einen Weihnachtsbasar zu veranstalten, wo man halt eben diese schönen Weihnachtsdinge kaufen könnte, die wir aus unserem Heimatland kannten.

Wir hatten zwar keine Idee auf was wir uns da einließen, das war absolut Neuland für jeden von uns und keiner hatte irgendwie Erfahrung wie man so etwas „Großes“ aufzieht, aber der Pioniergeist war geweckt und alle wollten mitmachen.

Es wurden die ersten Bastelgruppen gebildet für Adventskränze, Marmelade, Strohsterne u.s.w. und so fort. Da viele in Bungalows lebten waren Platz und Stauraum kein Problem.

Je mehr Leute in der deutschsprachigen Community davon erfuhren, umso mehr versteckte Talente entdeckten wir und das machte auch den besonderen Reiz aus. Die Deutsche Schule (damals noch wesentlich kleiner in einem Bunglow) war ebenfalls Dreh- und Angelpunkt . Hier wurden vor den Türen der Weisheit Rezepte ausgetauscht, mitgebrachte Zutaten aus Europa weitergegeben oder interessante Dinge mitgeteilt….es gab ja noch keine Handys.

Nun denn, man könnte hier noch lange schreiben…

Fazit: der erste Basar fand in der Residenz des Deutschen Botschafters statt. Schon vor Eröffnung des Basar standen sehr viele Besucher vor der Haustür in der Jalan Kia Peng. (Es könnte durchaus sein, das der Deutschsprachige Weihnachtsbasar zum ersten Stau in Kuala Lumpur führte…:-).

Ich hatte selbstgebastelte Adventskalender zu verkaufen, diese Kalender waren allerdings so aufwendig gemacht und die Streichholzschächtelchen mit hübschen Dingen gefüllt, die Kalender waren in der Herstellung wesentlich teuer als man sie verkaufen konnte. Aber das machte nichts, es hatte Spass gemacht, auch viele andere Mitstreiter „walked the extra Mile“ und die Telefonrechnungen dürften so manchen Ehemann geschockt haben.

Ein paar Tage nach dem Basar fragten wir uns, ob wir noch einen zweiten Weihnachtsbasar machen sollten….hmmm, die Antwort kennt wohl jeder.

Und heute nach 30 Jahren rasanter Entwicklung in Kuala Lumpur finden wir in schicken klimaanleagegekühlten Shopping Centern aufwendige, kreative, professionelle Weihnachtsdekorationen und viele Weihnachtsartikel für jeden Geschmack; 10 hours & 7 days a week. In den glänzenden modernen Hotels werden Festmenüs angeboten, in den überreichlich gefüllten Supermärkten gibt es alles importiert aus verschiedensten Ländern in verschiedenen Sorten Schoko – Weihnachtsmänner ob dick, dünn, klein, fettarm, oder extra fein, Marzipan, Lebkuchen, alle Sorten Pralinen, Zuckerstangen….

Es ist heute fast nicht mehr möglich, eine Marktlücke zu finden. Wir hatten damals Glück, wir waren mit unserem Basar etwas Besonders. Aber dieser Spirit und der Pioniergeist sind bis heute geblieben … halt manchmal nur etwas anders und das ist gut so.

Claudia Heyer